Die Erste Krönung eines polnischen Königs - Boles³aw der Tapfere


Gniezno als die Brutstätte unserer Staatlichkeit wurde durch die Krönungsfeierlichkeiten der ersten polnischen Könige berühmt. Eben hier, in dem Dom zu Gniezno, wurde der erste polnische König gekrönt - Boles³aw der Tapfere und später auch sein Sohn - Mieszko II. Auch in Gniezno hat sich die königliche Krone ein späterer polnischer Herrscher aufgesetzt - Boles³aw der Kühne (1076). In der Periode zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert, als Polen in Provinzen geteilt war, bewarben sich zahlreiche Fürsten um die königliche Krone, das Symbol der Macht und der Einigkeit des Staates. In Gniezno setzte sich Przemys³ II, der aus der Linie der Piasten aus Wielkopolska stammte, die Krone auf (1295). Im Moment der Krönung hatte er unter seiner Herrschaft Wielkopolska und Pomorze Gdañskie. Der letzte Herrscher, dessen Krönung 1300 in Gniezno stattfand, war Wac³aw II von der tschechischen Dynastie der Premysliden. Die Regierung der zwei letzten Herrscher dauerte nicht lange. Der nächste Gebieter Polens - W³adys³aw der Ellenlange, wurde zum ersten mal nicht in Gniezno, sondern in Krakau gekrönt. Diese Stadt wurde seitdem zum Ort der königlichen Krönungen.

Unter allen oben genannten Krönungen spielte die Krönung von Boles³aw dem Tapferen, dem ersten König Polens, die größte Rolle. Er ist eine besondere Figur. Er wurde 967 als Sohn von Mieszko und D¹brówka geboren, bis zum 7. Lebensjahr erzog ihn seine Mutter. Später wurde er als Geisel des Kaisers Otto II auf dem deutschen Hof gehalten. Dieser Hof war wie eine Schule für den späteren Herrscher Polens, wo er das Leben und die Politik quasi studiert hat. Nachdem Boles³aw nach Polen zurückgekommen war, regierte er höchstwahrscheinlich über Ma³opolska (Kleinpolen). Nach dem Tod seines Vaters 992 musste er mit seiner Stiefmutter Oda und mit ihren Söhnen um die Macht kämpfen. Letztendlich gewann er die Herrschaft über das Fürstentum Polen.

Seit dem Anfang seiner Regierung bekehrte Boles³aw der Tapfere aktiv seine Landsleute zum christlichen Glauben. Er wurde zum Protektor der christlichen Mission in den heidnischen Preußen. Der Prager Bischof Adalbert wurde von ihm 997 dorthin gesandt und erlitt den Martyrertod. Dieses Ereignis gab ein Impuls zur Heiligsprechung Adalberts (999). Der Kultus des neuen Heiligen wurde von Boles³aw genutzt, um ein neues, von Deutschland unabhängiges Erzbistum Gniezno und drei Bistümer - in Krakau, Breslau und Kolberg zu gründen. Diese Entscheidungen wurden in dem "Akt von Gniezno" im Jahre 1000 niedergeschrieben. Zu Treffen in Gniezno kam mit einer politischen Mission der deutsche Kaiser Otto III.

Dieses Treffen war der erste Versuch von solch einem Ausmaß, die deutsch-polnischen Beziehungen in einer friedlichen Art und Weise zu regeln. Das war auch der erste Ausdruck der Anerkennung Polens als eines europäischen Staates. Eine Konsequenz des Treffens war eine Neuregelung des deutsch-polnischen Zusammenlebens. Ein Symbol für die Anerkennung, das der Kaiser Otto III der neuen Position von Boles³aw dem Tapferen ausdrückte, war die Bezeichnung ihn als "den Bruder und Mitarbeiter", Aufsetzen der kaiserlichen Krone als des Anzeichens für eine hohe Macht in dem Kaiserreich und Überreichen ihm der Lanze des Hl. Moritz, die in Deutschland als ein Symbol der königlichen Krönungen galt. Diese Ereignisse wurden einhellig als eine Zusage für die baldige Krönung eines polnischen Königs interpretiert.

Nach dem unerwarteten Tod des Kaisers Otto III änderte sich die Politik des Kaiserreichs gegenüber Polen, was langjährige Kriege hinter sich zog. Die Auseinandersetzungen der Jahren 1002-1018 endeten dann mit dem Frieden in Bautzen. Der Frieden legitimierte das polnische Besitztum im Westen - Lausitz, Oberlausitz und Mähren. Dieser Krieg bezeugte die kriegerischen Fähigkeiten von Boles³aw dem Tapferen, der die Souveränität Polens endgültig bewahrte.

Bald nach dem Frieden in Budziszyn wendete sich Boles³aw nach Osten. Sein Ziel war Eingliederung des Tschernien-Gebiets in den polnischen Staat. Der erste gekrönte Herrscher Polens überfiel Rus zweimal: 1013 und 1018. In den Feldzügen besiegte er Kiew und kam mit reichlicher Beute zurück.

Die langjährigen Kriege kosteten viel Aufwand seitens des polnischen Volkes. Die Kiewer Beute vergütete nur zum Teil die Riesenkosten der Kriege mit den Deutschen. Der militärische Aufwand verlangte nach Opfern seitens des Zivilvolks, das die Mittel den Kämpfenden zur Verfügung stellen musste. Boles³aw der Tapfere verstand das gut und deswegen brachten die nächsten Jahre seiner Regierung keine Feldzüge mehr.

Die Boles³aw-Zeiten waren auch für die polnische Kultur von großer Bedeutung. Boles³aws christlicher Hof wurde zu einem Zentrum der geistigen Kultur des Lateinischen. Sein ganzes Leben lang hatte Boles³aw den Wunsch, die königliche Krone zu bekommen. Seine Bestrebungen wurden erfolgreich erst nach dem Tode des deutschen Kaisers Heinrich II und des Papstes Benedikt VIII, der Polen gegenüber negativ eingestellt war. Boles³aw wurde in Gniezno wahrscheinlich am 18.04.1025 gekrönt. Er freute sich nur kurz über die königliche Krone. Er starb zwei Monate später, 17.06.1025. Er wurde in dem Dom zu Gniezno bestattet.

Boles³aw der Tapfere war ein Herrscher, der Polen einen richtigen Platz in der mittelalterlichen Europa sicherte. Die Position des Staates, an der schon Mieszko I-Zeiten gearbeitet hatte, wurde weiter gefestigt. Es wurden Grundsteine für die zukünftige Größe und Bedeutung des Staates gelegt. Der erste gekrönte Herrscher Polens erweiterte das Gebiet Polens, so dass zu seiner Zeiten das Kernstück des Staates entstand, das bis heute in seinen Grenzen bleibt. Von einem von dem deutschen Nachbar abhängigen Fürstentum wurde Polen zum souveränen und autonomen Königreich, zu einem gleichberechtigten Partner für die damaligen Großmächte Europas.

Boles³aw der Tapfere erbaute im Herzen Europas einen starken Staat, einen Staat, der zum ersten mal in den historischen Quellen als Polen bezeichnet wurde. Das alles erreichte der erste König Polens, weil er - nach Professor Jerzy Strzelczyk - "ein Genie des Krieges und ein Titan der Ausdauer war, setzte seine Ziele mit eiserner Konsequenz um, war sehr fromm aber nicht unterwürfig gegenüber den Menschen der Kirche, und für die Kirche selbst war er ein echter Wohltäter".